Wir ohne Vorsatz! oder Kein Traummenschverschnitt!

Mach mich nicht zur Exotin 
in Deiner Sammlung von Beziehungstrophäen 
zeig mir nicht den Löwen, Drachen oder Bären im Milchstraßensystem
alle Galaxien werde ich immer auch ohne Dich verstehen. 
Poltere Dich nicht in mein Herz 
mit all Deinen Lastern 
Dein wundes Selbstbewusstsein 
kann ich nicht pflastern. 
Bin nicht der Kitt 
für Deine Herztrümmer
nicht das Wartezimmer
für Dein morgiges Herzflimmern.

Zieh weiter
wenn Du auf der Durchreise bist
widerlegbare Beweise Deiner Großartigkeit brauche ich nicht.
Ich werde keine Fallen aufstellen 
nie ein Netz nach Dir werfen 
keinen Detektiv engagieren 
und Dich niemals mit einer Suchmaschine ausspionieren.

Du musst mir keine Sterne vom Himmel holen
Du brauchst mir keine Luftschlösser errichten 
Du sollst mir keine Liebeslieder dichten
Du musst kein Nobelpreisträger sein 
keine Heldin
kein Traummenschverschnitt 
nur 
sei kein Arschloch 
spiel nicht mit meiner Angst 
die verzeiht Dir das nicht.

Spar Dir die Jagd, 
ich bin keine Beute
kein Krampf 
kein Kampf 
ich will kein Date
nie mehr
auch nicht heute
ich bin nicht interessiert an einem Termin in Deinem Kalender
ich verzichte auf Gehabe
Getue
Deine Telefonnumer
und alles was blendet.

Triff mich unterwegs
ohne Vorsatz
begleitet vom Schicksal
auf freiem Gelände
und wir laufen den Weg
zu zweit
bis zum Ende.

Letztes Wort

Ein blasses Wesen
in einem anorektischen Körper
gehüllt in eine pastellfarbene Profilneurose aus Tüll
auf wackeligen Beinen in viel zu hohen Schuhen
untersagt mir tonlos den Punkt
hinter Deinem letzten Wort.

Die zittrigen weißen Finger
dieser seltsamen Gestalt
ziehen meinem inneren Wolf das Fell ab
offenbaren die heulende Nacktheit meines Sehnens
das Trost sucht
bei den herumliegenen Erinnerungen.

Das pastellfarbene Wesen
tarnt sich als säuselnde Hoffnung
und entreißt mir (erstaunlich kraftvoll)
die Bilder von Gestern
deren Vergänglichkeit es übermalt
mit den Farben der Täuschung
die mich überfällt
wie eine plötzliche Grippe.

Das anorektische Wesen
wirft den pastellfarbenen Tüll
auf meinem Verstand
und die knochige Hand
reicht mir das Telefon
wie ein Versprechen
das mich glauben lässt
der Bruch zwischen uns
ließe sich kitten
würde ich nur die richtigen Worte finden.

Das seltsame Wesen
tanzt auf wackeligen Beinen
stolpert über seine viel zu hohen Schuhe
verheddert sich im pastellfarbenen Tüll
liegt leblos am Boden.

In meinem Ohr
Deine Stimme.

Wortlos
lege ich auf.

Diesen Punkt
hinter Deinem letzten Wort
war ich Dir schuldig.


			

SIE!

Wer wäre SIE geworden, wenn SIE hätte sein können, wie SIE war? Zeit ihres Lebens habt Ihr SIE mit Eurem Frauenbild gequält. Ihr habt ihr Eure Ideale in den Kopf geschmiert und SIE gezwungen sich durch die Brille Eures Hasses zu betrachten.

Ihr seid Männer. Ihr seid Frauen, denen es reicht, Frauen von Männern zu sein. Ihr seid Männer, die Frauen wollen, denen es reicht, Frauen von Männern zu sein. Ihr seid Männer.

Ihr habt ihr keine Zeit gelassen, sich zu finden. Wie hätte SIE bei sich bleiben können, wenn SIE nie da gewesen ist? Ihr habt Euch ihr Selbst gegriffen, bevor es ihr gehören konnte. Ihr habt SIE nie aus den Augen gelassen. Ihr habt Euch jedem eigenen Schritt mit ausgebreiteten Armen in den Weg gestellt. Ihr habt den Dreck Eurer schmutzigen Gedanken über SIE geschüttet. Ihr habt mit Fäusten auf SIE eingeprügelt. Ihr habt auf ihre Würde gespuckt. Ihr habt ihren Stolz gebrochen. Nirgends war SIE sicher vor Euch. Ihr habt SIE nicht entkommen lassen. Die Zweideutigkeit Eurer Worte und die Eindeutigkeit Eurer Blicke, müssen sich für SIE angefühlt haben als stünde sie schutzlos bei strömendem Dauerregen am Rande einer Straße, auf der  unaufhörlich Autos durch riesige Pfützen an ihr vorbeirasten, um sie vorsätzlich von Kopf bis Fuß zu beschmutzen.

Es gab keinen Blick in den Spiegel, bei dem die Scham ihr nicht feixend und Euren Hass rezitierend über die Schulter geschaut hätte. SIE ist vor jedem Fotoapparat davongelaufen. Die paar Fotos, die dennoch von ihr existierten, hat sie unter Tränen vernichtet. Die Scham war die Soldatin Eures Hasses, die uns anwies keine falsche Bewegung zu machen und wir haben unseren Widerstand so lange auf Morgen verschoben, bis es zu spät war.

Im Laufe der Jahre hat SIE sich angewöhnt, Euch zuvorzukommen. Bevor Ihr SIE abwerten konntet, hat SIE sich selbst jeden Wert abgesprochen. Bevor Ihr SIE beschmutzen konntet, hat sie sich selbst in den Dreck geworfen. Bevor SIE sich von Euch quälen ließ, hat SIE sich selbst Schmerz zugefügt. Es war Euer Spiel. Es ist Euer Spiel. Es sind Eure Regeln, an die SIE sich gehalten hat, ohne sie zu hinterfragen und in der irrigen Annahme dabei irgendetwas gewinnen zu können. SIE ist so lange immer weniger geworden, bis SIE ganz verschwunden war. Im Spiegel hat SIE sich bis zum Schluss immer nur durch die Brille Eures Hasses sehen können.

Uns ist nicht eine einzige Fotografie von ihr geblieben, alles was wir haben ist die Frage:  Wer wäre SIE gewesen, wenn SIE hätte sein können?