Gedanken tropfen in mein Sein

Gedanken tropfen in mein Sein. Plopp. Warten auf ein Vorbei. Plopp. Es tropft Selbstanklagen. Plopp. Es tropft Urteile. Plopp. Es tropft Vorwürfe. Plopp. Plopp. Plopp.

Unfähigkeitsgedanken. So vertraut, dass ich sie Heimat nennen müsste, wüsste ich mit dem Wort was anzufangen. Plopp. Nach-Hause-Wege, die in die Fremde führen. Plopp. Antiheldendasein als Lebensaufgabe. Plopp. Unerreichte Zugehörigkeit. Überall. Plopp. Plopp. Für die Unangepassten ist meine Wut zu leise, obgleich sie für alle anderen zu laut ist. Plopp. Plopp. Plopp. Plopp. Die Worte anderer hängen an mir wie Kleidung, die nicht passt. Meine Haut kratzt. Die Seele auch. Vermutlich kleben auch Worte von mir kratzend am Sein von anderen.  Plopp. Plopp.  Es tropft Bewertung. Plopp. Es tropft Abwertung. Plopp. Meiner Wut wird begegnet wie einem abstoßenden Tier. Sie nennen sie Hass oder Hässlichkeit mit der gleichen Verachtung, mit der mich andere früher aufforderten, dass ich mal ein bisschen ausgeschlafener sein sollte. Plopp. Meine Wut läuft auf Worten. Ich bin auf laute Weise weiter leise, aber das versteht keiner. Die Wut ist der Versuch, sich aus einer Schockstarre zu befreien, aus der es doch kein Entkommen gibt. Die unschönen Geschichten bleiben, auch wenn ihre Wahrhaftigkeit verneint wird. Plopp. Plopp. Plopp. Ich bin ein Defekt. Plopp.

Meine Fantasie baut in meinem Kopf eine Konstruktion, die das Tropfen der Gedanken zurückhalten kann, so wie ein zugedrehter Wasserhahn das Wasser. Plopp. Es funktioniert nicht. Antiheldinnen sind keine Erfinderinnen. Enttäuschung macht müde. Plopp. Plopp. Plopp. In keiner Facette meines Lebens habe ich je der Idealversion von irgendwas entsprochen. Plopp. Erfolge haben sich angefühlt, als hätte ich mich in einem von mir inszenierten Theaterstück selbst mit der Hauptrolle besetzt und nicht einsehen wollen, dass ich nicht spielen kann. Plopp. Plopp. Das Tropfen der Gedanken klirrt ohne Rhythmus durch mein Sein. Plopp. Entspannung ausgeschlossen. Plopp. Plopp. Das Gedankentropfen lässt die Einsamkeit mitklingen. In ein paar Erinnerungen liege ich vergessen unter dem Sperrmüll im Keller. Die Zeit ändert das nicht. Plopp. Alle mühen sich damit ab nichts tun zu müssen und kaum was tun zu können. Das Leid ist wie eine Mutter mit zu wenig Liebe, die ihre Kinder gegeneinander ausspielt. Keiner hält zusammen. Die Pandemie offenbart die Lächerlichkeit der Sehnsucht nach Bedeutung. Plopp. Es ist eine Zeit, die den Staub und das Grau für die Geschichtsbücher von morgen gleich mitliefert. Plopp. Plopp. Plopp. Plopp. In keinem dieser Bücher werde ich in einem Bild, einem Wort oder einem Satz in Erscheinung treten. Plopp. In der Banalität  des Daseins wohnt ein „egal“, dem es doch immer wieder gelingt, sich mir zu entziehen. Plopp. Plopp. Hinter mir liegen bereits ein paar Stapel voller Enden. Plopp. Plopp. Ich bin jetzt in dem Alter, in dem die Hoffnung graues Haar trägt. Der Schmerz geht früher oder später aber er räumt das Feld nie, ohne ein bisschen Leuchten aus den Augen mitzunehmen und er hinterlässt immer Gedanken, die tropfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s