Abdruck im Sein

Da ist ein Abdruck in meinem Sein, der deinen Namen trägt. Ein Hohlraum, der sich anfühlt, als wäre mir ein Stück aus der Seele gebissen worden. Meine Worte verweigern sich einer Erzählung von dir, so als wären sie dazu verpflichtet. Ich zwinge sie in Narrative, die sich breitbeinig vor mir aufbauen und sich gegen mich richten. Es ist, als wäre ich in der Sprache zu Gast aber nicht in ihr zu Hause. Mir bleibt nur das Gefühl, das seit Jahren auf den Tagen liegt wie diese in Nächten durchlebten Träume, in denen Hilferufe keinen Ton haben.

In der Fantasie reißt der Bruch meines Schweigens allen Beteiligten die gepflegten Meinungen von den Leibern und zwingt ihre Blicke hinter die Spiegel, in denen sie sich selbst so gut gefallen. In der Wirklichkeit aber führt schon die Andeutung eines Flüsterns zu einer Fortsetzung der Herabwürdigung. Der Versuch, das Unsagbare in eine Form zu kleiden, rennt gegen diese mit Lebensweisheiten und Bigotterie bekritzelten Wände. Worte wie Sonne, Herzen, Sterne, geschmückt mit Adjektiven sind in verschiedenen Variationen zu Glücksbefehlen angeordnet. Die Unterstellungen im Subtext lauten Versagen, Spielverderben und Humorlosigkeit. Ein Typ echauffiert sich über die Finsternis in meinen Texten. „Schreib doch mal was Lustiges!“

Mein Ringen um Worte, wird von Missbilligung aufgehalten. Der Selbstmitleidsvorwurf trampelt durch meinen Kopf. Es ist sein Auftrag, mich zu beschämen und er macht seine Sache gründlich. Vermutlich ist er ein Kumpel von dir und all jenen, die Stücke aus den Seelen von anderen gebissen haben.

Dein Schatten verfolgt mich und verpasst mir selbst in Momenten größter Hitze einen Schüttelfrost.

Die Welt ist immer noch auf deiner Seite, auch wenn sie Hashtags verbreitend, das Ende eines Tabus behauptet. Der Hype ist ein Zug, in dem abkassiert wird. Der Preis ist hoch. Die Offenbarung einer Demütigung zieht immer weitere Herabwürdigungen nach sich. Schwäche provoziert Überheblichkeit allen Hashtags zum Trotz. Wie oft will ich mir das leisten? Wo fährt der Zug hin, wann kommt er an und wie viele Abers haben sich auch einen Sitzplatz reserviert?

Du bist der Makel auf meinem Dasein.   

Trotzdem: Die Stille hört im Moment ihrer Beschreibung auf zu sein.

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