Leuchtende Wut

In dieser Nacht fahre ich mit einem Taxi durch die Vergangenheit. Statt eines Großstadt-Klischees mit Kaltschnauze sitzt am Steuer ein Lächeln, das – ohne Geschlecht und frei von Familie – niemandem zur Parteinahme verpflichtet ist. Meine Fahrziele sind alle Abgründe dieser einen Geschichte, die keinem allein gehört – auch wenn es sich in der Finsternis des Seins oft so anfühlt.

Das Elend spielt mit allen Generationen und zieht sich über mehrere Akte. Der Kummer hat immer einen Prolog. Das Dauerzucken der Traurigkeit ist eine Hinterlassenschaft von Leuten, deren Namen in die Tiefen meines Seins tätowiert sind, ohne dass ich sie je hätte entziffern können. Der Daseinsschmerz hat dem Schweigen seine Unsterblichkeit entgegen ge(t)rotzt und wird zur Strafe in der Namenslosigkeit gefangen gehalten.

Abfahrt. Das Lächeln gibt Gas. Ein paar Taufen stehen bevor.

Heute Nacht wird der Wut ihr Recht auf Sein zugesprochen und bei Tagesanbruch wird sie leuchten wie ein Feuerball.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s